Britney Spears: Nachruf auf eine 26-Jährige

Heute berichtet die Süddeutsche darüber, dass die Nachrichtenagentur AP bereits einen Nachruf auf Britney Spears verfasst hat. Das sorgt nun für Aufregung:

Denn AP ist ja nicht irgendein Boulevarddienst, sondern die weltgrößte , die mit ihrer Arbeit und Ethik Vorbild ist für viele andere Nachrichtendienste. Das Stylebook von AP ist der Standard, an dem sich Nachrichtenredakteure orientieren. AP ist nicht im Privatbesitz. Die Agentur ist als Genossenschaft organisiert, der Gewinn wird reinvestiert. Mitglieder, damit Eigentümer, sind mehrere tausend Zeitungen, Radio- und Fernsehsender.

Die Popsängerin, gerade 26 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und den Drogen und vielem mehr zugeneigt, wurde erst diese Woche entmündigt. Nun wird moralisch debattiert, ob es richtig ist, so früh einen Nachruf zu verfassen. Fakt ist: Jede gute Zeitung verfasst vorab von Prominenten Nachrufe, falls deren Tod zum Beispiel kurz vor Redaktionsschluss bekannt werden sollte.

Ist das ein Zeichen für den Verfall ethischer Standards? Oder ist es, wie die AP-Reporter versichern, Ausdruck der Professionalität? Vorsorgliche Nachrufe zu schreiben, ist für amerikanische Zeitungen nichts Ungewöhnliches, betonte AP-Reporter John Rogers: Die Los Angeles Times habe 400 Nachrufe vorbereitet, die Washington Post verfüge über rund 100 Texte, wobei allerdings keine einzige Person jünger als 30 Jahre sei. AP hat rund 1000 Nachrufe vorbereitet. Die meisten Personen davon seien allerdings 70 Jahre und älter.

Die New York Times hat gar rund 1500 Nachrufe auf Lager und beschäftigt mehrere Reporter, die Persönlichkeiten zu ihren Lebzeiten befragen, um darüber zu schreiben und das Gesagte nach ihrem Ableben zu drucken. Nachrufe sind beliebt bei Lesern und Redakteuren: 2006 wurde ein ungewöhnlicher Nachruf auf einen Soldaten als Feature mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Autor Jim Sheeler von den Rocky Mountain News recherchierte dazu neun Monate über Soldaten, die tote Kameraden aus dem Irakkrieg für ein Begräbnis zu ihrer Familie überführen.

Die Journalistin Carolyn Gilbert hat sogar einen Internationalen Verband der Nachrufschreiber gegründet und lädt ihre Mitglieder regelmäßig zum Austausch ein. Für die diesjährige Konferenz in Las Vegas hat sie bereits AP-Reporter Rogers gewonnen, um zu diskutieren, ob die Nachrufschreiber sich mehr auf junge Stars konzentrieren sollten. Gute Vorbereitung sei nun mal Teil des Geschäfts, findet Carolyn Gilbert.

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