Mar 27 2009

Holtzbrinck: Rückkehr eines Verlegers

Published by ddd at 10:52 under Nachrichten

Seit gestern ist es bekannt: Dieter von Holtzbrinck steigt wieder aktiv in das Verlagsgeschäft ein und bekommt von seinem Bruder Stefan die Anteile an der Verlagsgruppe Handelsblatt (u.a. Handelsblatt, Wirtschaftswoche) sowie dem Tagesspiegel und die Hälfte an der Zeit (inklusive operativer Führung) zurück. Damit steigt nach Neven DuMont der zweite Vollblutverleger wieder ein, und das zu einer Zeit, in der alle vom Untergang der Printmedien reden - weil es die Online-Angebote gibt und weil die Krise die Zeitungen wegen der einher gehenden Anzeigenflaute tief in die Verlustzone drücken.
Die beiden Herren stehen nun mit ihrem Privatvermögen für etliche Zeitungstitel ein - weil sie Zeitungen lieben. Das ist für jeden Journalisten die bete Voraussetzung, um vernünftig zu arbeiten, wie auch die Süddeutsche heute findet.
Lohnenswert in diesem Zusammenhang ist auch ein weiterer Artikel in der SZ, die erzählt, wie es zu dem Bruder-Deal in Stuttgart kam.

“Was ist das für ein Handel? Geld, in diesen Zeiten der Wirtschaftskrise knapp, fließt keines. Durch den Verkauf tilgt der Konzern von Stefan von Holtzbrinck seine Verbindlichkeiten bei Dieter von Holtzbrinck. Ursprünglich waren Stefan, Dieter und ihre Schwester Monika Schoeller gemeinsam an der Verlagsgruppe, die einst Vater Georg aufgebaut hatte, beteiligt. 2006 stieg Dieter aus, es hatte Streit um die künftige strategische Ausrichtung gegeben. Dabei ging es offenbar nicht nur um Stefan von Holtzbrincks Enthusiasmus für das Internet, dem der ältere Bruder nicht viel abgewinnen konnte. Auch bei der Frage, an welchen Printobjekten sich die Verlagsgruppe noch beteiligen solle, entzweiten sich die Verlagsbesitzer.

Es kam zum Bruch. Dieter von Holtzbrinck stieg im Juni 2006 aus. Stefan von Holtzbrinck, der ihn nicht auszahlen konnte, vereinbarte eine Ratenzahlung über viele Jahre. Geschätzt 600 Millionen Euro sollte Dieter erhalten, davon 200 Millionen sofort, den Rest später in Jahresraten von etwa 30 Millionen Euro. Die noch offenen Verbindlichkeiten von weniger als 350 Millionen Euro werden jetzt getilgt. “Mit dem Vorgehen bekundet die Familie auch ihre Verbundenheit und ihre Verpflichtung den Qualitätsmedien gegenüber”, teilten die beiden Holtzbrincks am Donnerstag mit.”

Und natürlich muss auf das Doppel-Interview der beiden Brüder im Handelsblatt hingewiesen werden, in denen Dieter vor allem wegweisende Aussagen macht:

“Ich bin kein Banker. Mir ist wichtig, dass diese Qualitätsmedien, an deren Ausbau ich jahrelang mitgewirkt habe und denen ich mich verpflichtet fühle, eine gute Zukunftsperspektive behalten.”
“Größere Zukäufe kann ich mir schlecht vorstellen. Ich bin Einzelunternehmer mit begrenzten Mitteln. Gute Zeitungen müssen nach meinem Selbstverständnis und meiner Erfahrung eigenständig bleiben. Selbstständigkeit schließt aber keineswegs aus, Synergien im Bereich Online, IT und Dienstleistungen zu nutzen.”
“Zunächst werde ich jetzt gemeinsam mit den Geschäftsführern und Chefredakteuren eine Bestandsaufnahme machen. Langfristig betrachtet, bin ich nicht pessimistisch wegen der Krise, denn jede Krise geht einmal vorbei. Bezogen auf die Handelsblatt-Gruppe, die im Anzeigengeschäft jetzt besonders Federn lassen muss, sollte man sehen, dass gerade die Bedeutung professioneller Wirtschaftsinformationen und von zuverlässiger Orientierung eher zu- als abnimmt. Gleiches gilt für den Qualitätsjournalismus von „Zeit“ und „Tagesspiegel“.”

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