Wenn sich die “Bild” auf ein Berichterstattungssubjekt eingeschossen hat, dann ist es nicht einfach, die Zeitung wieder loszuwerden. Das scheint derzeit dem ehemaligen Industriepräsidenten HHns-Olaf Henkel zu ergehen. Dabei kennt Henkel das Mediengeschäft gut und weiß, wie er sich in die Schlagzeilen bringt.
Erst heute sprach ich noch mit einem, der ihn gut kennt. Er sagte, er wisse nicht, was Henkel derzeit als öffentliches Sprachrohr der Euro-Kritiker so treibe. Und auch der ehemalige Hoffnungsträger der CDU, Friedrich Merz, wies Henkel in einem Brief darauf hin, bitte seinen Namen nicht mehr zu nennen, wenn wieder einmal von einer Gründung einer rechten Partei die Rede sei. Der Focus zitiert entsprechend aus einem Brief.
Heute nun hat Henkel selbst einen Brief geschrieben – und attackiert darin die Bild. Wir dokumentieren ihn hier, da er zum einen viel über das Prinzip der Medien, zum anderen aber auch öffentlichkeitsaffiner Menschen sagt.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitstreiter, liebe Freunde, liebe Familie!
Nachdem die Bild-Zeitung vor einem Jahr auf ihrer Seite Eins schon einmal ein Attacke gegen mich geritten hat („Diesen wollen wir nicht mehr (in den Talk-Shows) sehen“) und offensichtlich nicht erfolgreich war, führte diese Zeitung letzte Woche einen neuen Angriff gegen mich, der an Bösartigkeit kaum noch zu überbieten ist. Unter der Überschrift „Ranschmeisser“, „Trittbrettfahrer“ und „Wendehals“ und „Keiner wechselt die Überzeugungen so oft wie Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel“, führt der stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome seine Leser in die Irre und schneidet mir die Ehre ab. Da ich nicht davon ausgehen kann, dass Sie alle diesen Artikel gelesen haben, gebe ich Ihnen die jeweiligen Behauptungen bzw. Unterstellungen wieder, zusammen mit den entsprechenden Tatsachen.
Der Aufmacher ist ein Spaß-Foto, welches von meiner Frau, Prof. Dr. Bettina Hannover, ihrer Zwillingsschwester Almut und mir auf dem Presseball gemacht wurde, den wir, zusammen mit dem Ehemann von Almut Hannover, Dr. Norbert Langen, besucht haben. Sie werfen mir dabei ein (Luft-)Küsschen zu. Bild fügte die Unterschrift hinzu: „Eine Frau genügt nicht“. In den meisten anderen Blättern hätte man diese Bildüberschrift noch als humorvoll hinnehmen können, dass ich dadurch in seinem Skandal- und Sexblatt zum Bigamisten gemacht werden sollte, war Blome natürlich klar.
Als „Ranschmeisser“ werde ich bezeichnet, weil ich das Wahlprogramm von Rot/Grün im Wahlkampf 1998 (!) zwar kritisierte, dem Gewinner der Wahl, Gerhard Schröder, trotzdem am Wahlabend gratulierte. Mir ist noch gut in Erinnerung, dass sich der damalige Amtsinhaber Helmut Kohl mit seinem “Elefantengedächtnis” für Leute, die ihm mal auf die Füße getreten sind, fürchterlich darüber aufregte. Dass auch Vertreter der unterlegenen Koalition dem Neugewählten gratulierten und dies eine Selbstverständlichkeit für jeden BDI-Präsidenten sein sollte, wird Blome sicher auch gewusst haben.
Ein „Trittbrettfahrer“ bin ich laut „Bild“, weil ich bei Mitgliedern der FDP dafür geworben habe, für den sogenannten „Schäffler-Antrag“ zu stimmen und zu diesem Zweck ggf. auch in die Partei einzutreten, um die Chancen für einen Erfolg und damit auch für eine liberale Europolitik zu verbessern. Blome behauptet fälschlicherweise, dass ich Merz, Sarrazin und Clement gern als „Mitstreiter“ nenne. Um das zu untermauern, zitiert er aus einem Brief von Merz, in dem dieser mich bittet, ihn im Zusammenhang von Parteigründungen nicht mehr zu erwähnen. Hier wird insinuiert, ich hätte Merz gefragt, ob er mit mir eine neue Partei gründen wolle. Richtig ist, dass ich die Frage des Magazin “Stern”, ob ich der geeignete Mann wäre, eine neue Partei zu gründen, verneint habe und anstatt dessen auf Herrn Merz als eine Person verwiesen habe, die aus meiner Sicht dabei erfolgreich sein könnte.
Ein „Wendehals“ bin ich laut Bild, weil ich einmal ein enthusiastischer Befürworter des Einheitseuro gewesen bin und die Dinge heute anders sehe. Dass ich als Einziger – im Unterschied zu allen anderen, die nicht den Mut haben, einen Fehler zuzugeben – meine Fehleinschätzung öffentlich bekannt habe, soll mir hier zum Nachteil ausgelegt werden. Dass für meinen Meinungswandel die Wendehälse in der Politik verantwortlich sind, die den Maastricht-Vertrag über sechzigmal brachen und nun zulassen, dass deutsche Steuerzahler für Schulden anderer Länder haften, erwähnt Blome natürlich nicht. Weitere Belege für meine angeblich so „häufigen Meinungswechsel“ bleibt Blome schuldig.
Infam wird Blome, wenn er den Leser aus meiner Tätigkeit als Berater (für Deutschland) einer US-Bank ableiten lässt, ich würde mich deshalb für eine andere Europolitik einsetzen, da „Experten unterstellen, U.S.-Banken hätten ein Interesse an einem schwachen Euro“. Da ich mich für einen starken („Nord-)Euro und nicht für schwachen
Einheitseuro einsetze, macht diese Unterstellung zwar keinen Sinn, belegt dafür aber umso deutlicher die Hinterhältigkeit des Autors.
Blome berichtet über meine Auftritte bei Großveranstaltungen zum Thema Euro und fügt hinzu: „oft gegen Eintrittsgeld“. Damit vermittelt er bewusst den Eindruck, ich würde daran verdienen. Dass diese Eintrittsgelder vom Veranstalter DEAG erhoben werden mussten, um wenigstens einen Teil der entstandenen Kosten zu decken, ich dagegen die Auftritte ehrenamtlich absolvierte und meine Reisekosten selbst trug, hat Blome unterschlagen, obwohl der Veranstalter öffentlich darauf hingewiesen hat.
Dazu passt, dass er auf der Suche nach der Motivation für mein Engagement auch auf Leute gestoßen sein will, die mir „Egomanie“ und „Eitelkeit“ unterstellen. Gern konzediere ich, dass es nicht nur in der Bild-Redaktion, sondern auch unter meinen Kollegen in der Wirtschaft Leute gibt, die sich partout nicht vorstellen können, dass es noch Menschen gibt, die sich ehrenamtlich und mit Leidenschaft für ihre Überzeugungen einsetzen. Für solche kommt in der Tat wohl nur Geld, Egomanie und Eitelkeit als Motiv in Frage. Dazu passt auch, dass Blome behauptet, ich würde mich gern öffentlich als „Ex-BDI-Präsident“ bezeichnen, um mich „wichtig zu machen“. Dafür, dass es die Medien sind, die diese Position im Zusammenhang mit mir gern verwenden, liefert Blome selbst den Beweis: in der Überschrift stellt er mich den Lesern als „Ex-BDI-Chef“ vor und nicht als „Ex-IBM-Deutschland-Chef“, „Ex-Chairman der IBM Europe, Middle East and Africa Corporation“, „Ex-Präsident der Leibniz-Gemeinschaft“ oder „Honorarprofessor an der Universität Mannheim“.
Blome hatte mich am Tag vor der Veröffentlichung unter einem Vorwand („Ich würde gern Ihre Meinung zur Mitgliederbefragung in der FDP und Parteiengründung hören“) angerufen und sich bei mir regelrecht „eingeschlichen“; wohl um seiner Geschichte mit einem Zitat von mir Aktualität und Authentizität zu verleihen. Ich hatte einige Zitate („Lieber Herr Blome“) autorisiert und vorgeschlagen, dass ich ihm und seinen Kollegen meine Euro-Vorschläge mal persönlich präsentiere. Blome bedankte sich („Lieber Herr Henkel“), offenbar mit dem Ziel, mögliche Zweifel über die Aufrichtigkeit seines Anrufs bei mir zu zerstreuen! Was für ein Feigling! Das entscheidende Zitat zum Thema Mitgliederentscheid in der FDP, um das es angeblich bei seiner Anfrage gehen sollte, brachte er übrigens nicht!
Von anderen Zeitschriften und Magazinen bekam ich zwischenzeitlich Anrufe, in denen der Verwunderung über den massiven Angriff der Bildzeitung auf meine Person Ausdruck verliehen und über die Motive spekuliert wurde. Einig war man sich in der Einschätzung, dass es sich um einen bestellten Auftrag, meine Person zu desavouieren, handelt. Ein erfahrener Kollege Blomes sprach explizit von „Auftragsarbeit“. Hier sind die mir genannten möglichen Motive des Auftraggebers:
„Das ist eine Retourkutsche für Ihre Aussagen im „Stern“. Dort hatte ich Herrn zu Guttenberg geraten, nicht in die Politik zurückzukehren. Inzwischen machte man mich darauf aufmerksam, dass es „Bild“ und dort im Besonderen Blome waren, die zu Guttenberg förderten und ihm durch dick und dünn die Treue hielten. In der Tat machte Blome im besagten Telefonat auch eine entsprechende Bemerkung über meine Aussage im „Stern“ über zu Guttenberg.
„Ihre Opposition zum Einheitseuro nervt die politische Klasse und insbesondere Helmut Kohl“ war eine andere Aussage. Dabei fiel mir die enge Beziehung zwischen Bild-Chefredakteur Diekmann und dem Einheitseurofreund mit Langzeitgedächtnis, Helmut Kohl, ein. Dazu würde passen, dass der „Bild“-Redaktion die „Anschmeissergeschichte“ aus dem Jahre 1998 erst jetzt wieder eingefallen ist.
Ein anderer wunderte sich über Blomes Hinweis am Schluss des Interviews, in dem er in Erinnerung rief, dass ich von 2001 bis 2007 mal „gelegentlicher Kommentator“ für Bild war. Blome schloss sein Machwerk mit der Bemerkung: „Dann trennte man sich…“. Hintergrund war, dass sich im Jahre 2007 sein Chef Dieckmann von mir auf den Schlips getreten fühlte. Sollte Dieckmann noch immer einen ganz persönlichen Rachefeldzug gegen mich führen?
Ich überlasse es Ihnen, darüber zu spekulieren, was mich ins Fadenkreuz dieser veritablen Rufvernichtungsmaschine gebracht hat, warum man meine persönliche Integrität verletzt und meine Glaubwürdigkeit zunichtemachen will. „Bild Dir `ne Meinung“ heißt es bei “Bild“. Zumindest Blome bildet sich sogar seine eigenen Fakten.
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