Monocle und Blogger: Tyler Brulé erklärt

In der Serie über die Zukunft des Journalismus druckt die SZ heute ein Interview mit Tyler Brulé, der in den 90ern das Lifestyle-Wallpaper” entwickelt hat und derzeit Monocle produziert. Im Gespräch sagt er:

sueddeutsche.de: Vor einem Jahr haben Sie Monocle lanciert. Dass sich das Magazin mit dem eigenwilligen Themenmix aus Business, Lifestyle und Politik im dicht besetzten Printmarkt behaupten konnte, überraschte selbst erfahrene Magazinmacher.

Tyler Brûlé: Von denen neigen viele dazu, ihre Produkte so eng und knapp wie möglich zu produzieren. Aber es gibt auch eine völlig andere Strategie, die zum Beispiel japanische Kaufhäuser so unglaublich modern aussehen lässt: Sie bieten ein breites und dennoch fokussiertes Angebot unter einem Dach an. Genau dasselbe machen wir mit Monocle: Wir bieten einen breiten Blick auf eine ganze Palette an Themen rund um den Globus an. Aber die Art und Weise, wie wir diese Themen angehen, ist stark fokussiert. Das ist der redaktionelle Ansatz von Monocle und ich denke, dass die Leser und der Markt bereit waren für so etwas.

Offenkundig können gute Konzepte auf dem Zeitungsmarkt immer noch Erfolg haben, warum auch nicht?! Die Frage ist, welches Medium welche Aufgabe künftig übernimmt. Eigentlich ist es logisch: Echtzeit-Medien übernehmen die Echtzeit-Berichterstattung, Tagesmedien die Tagesberichterstattung etc. pp.

sueddeutsche.de: Mehr Reportagen, mehr investigative Recherche – ist das der zukunftsweisende Weg für den Print-Journalismus?

Brûlé: Darauf wird sich die Presse künftig stärker konzentrieren müssen. Zeitungen, die ihren Foto-Etat kürzen und die Zahl ihrer Reporter verringern oder investigative Rechercheeinheiten auflösen, liegen meiner Ansicht nach völlig falsch. Es kann ja nicht die Rolle des kleinen Mannes sein – nennen wir ihn mal den Blogger -, etwa großen Ölkonzernen die Stirn zu bieten oder zu versuchen, eigenmächtig zu recherchieren. Solche Leute haben weder die Kontakte noch die finanzielle Ausdauer, die ein Medienhaus braucht, um sich auch mal für einen Rechtsstreit zu wappnen. Man könnte zwar einwenden, dass niemand so verrückt sein kann, gegen Blogger vorzugehen, doch wir alle wissen auch, dass Großunternehmen und Größenwahnsinnige sehr fies werden können und eine Enthüllung ihrer Machenschaften um jeden Preis verhindern wollen. Gegen sie zu stänkern, kann sehr gefährlich werden. Und deshalb braucht es potentere, finanziell besser ausgestattete Medienunternehmen, die den investigativen Journalismus unterstützen und es sich zudem leisten können, Reporter und Korrespondenten rund um den Globus zu schicken und sich im Ernstfall hinter sie zu stellen.

Der Rest des Intervies lohnt sich auch. Brulé präsentiert einige interessante Thesen, die vor allem der Untergangsstimmung mancher Verleger etwas entgegen halten.

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