Paparazzi: Fotos ohne Ende

Was wären die Medien heute ohne Fotos der Paprazzi? Zwar sind presserechtlich enge Grenzen gesetzt, wann ein Foto von einem Star oder Sternchen veröffentlicht werden darf und wann nicht. Dennoch ist die Gier nach den Fotos so groß, dass selbst die Fotografierten so ihre Probleme damit haben. Der Markt jedenfalls boomt, wie die SZ beschreibt.

Seit sich Spears im Februar 2007 den Kopf rasieren ließ und damit für das berühmteste Promi-Bild der letzten Jahre sorgte, ist die Gier nach diesen Aufnahmen noch einmal gewachsen. Der Markt explodiert. Allein in den USA bringen People, In Touch, Us Weekly, Star und der National Enquirer nichts als Paparazzi-Bilder. Hinzu kommen etliche Klatsch-Sendungen im Vorabendprogramm – und unzählige Websites. Von vergleichsweise höflichen wie Gawker über TMZ, X17, Perez Hilton mit seinem boshaften Camp-Humor bis hin zu widerwärtigen Pöbel-Foren wie Dlisted oder Idontlikeyouinthatway, wo die Stars als “Nutten” und “Arschlöcher” apostrophiert werden.

Die Promis werden Teil unserers Lebens, weil wir mit ihnen Leiden, lieben, lachen – wie bei jeder schlechten Vorabend-Soap. Deshalb verkauft sich vermutlich jedes noch so unscharfe Bild gut. Eine historische Herleitung jedenfalls liefert die SZ gleich mit.

Die heutige Figur der “Celebrity” entstand aus dem Zerfall des Studiosystems. Bis Anfang der Fünfziger kontrollierten die Hollywood-Majors außer der Karriere auch das Image ihrer Stars. Sie waren Wesen wie nicht von dieser Welt, anzubeten in den tempelartigen Kinopalästen. “Privat” bekam man sie nicht zu sehen. Ein Zauberer, so die Logik, bittet sein Publikum auch nicht hinter die Bühne.

Sobald sich die Schauspieler jedoch von den Fesseln der Studios lösten, konnte sie niemand mehr daran hindern, gelegentlich sie selbst zu sein. Das Fernsehen, das die Bilder der Filmstars auf Miniaturformat schrumpfen ließ, ihre Zahl vervielfachte und sie in die banale Umgebung der heimischen Wohnzimmer transportierte, tat ein Übriges, um aus Ikonen Menschen zu machen.

Die Paparazzi waren die Chronisten dieser Vermenschlichung, oft mit dem augenzwinkernden Einverständnis der Abgelichteten. Paparazzo, das ist bekanntlich eine Figur aus Fellinis “La Dolce Vita” von 1960, ein Typ nach dem Vorbild des Fotografen Tazio Secciaroli, der mit der Vespa die Lokale in der Via Veneto nach saftigen Szenen des dekadenten römischen Nachtlebens abklapperte. Er wurde später Sophia Lorens persönlicher Fotograf.

Die neue Imagepolitik der Stars kultivierte nach den Regeln der fachgerechten Verführung ein oszillierendes Doppelbild: Hier die Distanz auf der Leinwand, dort scheinbare Nähe durch kleine Proben aus einem nicht minder farbigen Privatleben. Die Filmschauspielerin musste Göttin und Mädchen von nebenan gleichermaßen sein, hier in Cannes über den roten Teppich schweben, dann wieder mit verdreckten Caprifischern flirten.

Heute unterliegen sie der totalen Beobachtung, wie sie sich niemand vom Staat wünscht. Hätten die Promis gedacht, dass eines Tages der Leserreporter auch noch Fotos schießt oder Videofreakts ihre Sequenzen bei Youtube veröffentlichen?

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