Prinz Harry will ein ganz normaler Mann sein, der seine Jugend lebt. Deswegen war er beim Militär, deshalb wollte er einige Monate beim Einsatz in Afghanistan dabei sein. Die Bams berichtet, dort habe er eine junge Pilotin kennengelernt und mit ihr geflirtet. Wir gönnen es Harry. Was für ihn gefährlich ist: Wenn Medien darüber berichten, dass der Sohn von Prinz Charles sich in einem Kriegsgebiet befindet. Er könnte schnell entführt werden und so zur politischen Spielmasse von Terroristen werden.
Nun ist heraus gekommen, dass Harry dort war, weshalb er sofort zurück in die Heimat musste. Dabei hatte es mehr oder minder eine Nachrichtensperre gegeben, wenn auch eine erkaufte, wie die Süddeutsche berichtet:
Am erstaunlichsten freilich ist, dass die für ihre Respektlosigkeit berüchtigte britische Medienmeute die Sensationsnachricht vom Fronteinsatz Harrys so lange geheim hielt. Auf vier Monate war die Tour des Leutnants terminiert; immerhin zehn Wochen konnte er anonym absolvieren, bevor die US-Internetpublikation “Drudge Report” das Geheimnis herausposaunte.
Als Belohnung für die Selbstzensur erhielten die britischen Medien freiherzige Interviews mit Harry, die nach dessen Rückkehr ausgestrahlt werden sollten. Wie der Internetherausgeber Matt Drudge zu seinem Scoop kam, ist noch unbekannt. Eine Veröffentlichung im Januar durch eine australische Zeitung war unbemerkt geblieben.
Vielleicht war ein amerikanischer Soldat stutzig geworden. Denn auch US-Kampfpiloten hatten in den vergangenen Wochen Funkkontakt zu dem Prinzen, der vom Boden aus Luftangriffe auf Taliban-Stellungen koordinierte. Die Piloten freilich kannten ihn nur unter der anonymen Kennung Widow Six Seven, und sein unverkennbarer britischer Oberklassenakzent dürfte von der Statik des Funkgerätes verschluckt worden sein.
In Deutschland gibt es auch eine Art von Nachrichtensperre. Dabei appeliert der Regierungssprecher oder andere an die Moral der Journalisten. Es wird auf die Sicherheit des Staates verwiesen etc. Das war etwa im Fall der Flugzeugentführung von Mogadischu durch die RAF der Fall. Journalisten sahen damals auf dem Militärflughafen Köln Wahn Vorbereitungen. Auf Nachfrage wurde ihnen gesagt, sie mögen nicht berichten. Dafür wurden sie “Unter Drei” auf dem Laufenden gehalten. Eine Legende gibt es, die wir bislang nicht verifzieren konnte: Die einzige Zeitung, die sich damals nicht daran hielt war die Welt. Bundeskanzler Helmut Schmidt soll bei der Redaktion angerufen haben als er am Abend vor der Veröffentlichung davon hörte. Daraufhin schwärmten die Welt-Redakteure aus, um alle bereits ausgeteilten Exemplare schnell aufzukaufen.