Der Fall Zumwinkel wird auch seinen Platz in der Medientheorie bekommen.
Zum einen lässt sich an dem Skandal zeigen, nach welchen Mechanismen die Medien ein derartiges Thema aufarbeiten – und das inzwischen in einer rasenden Geschwindigkeit. Zuerst die Beschreibung der Razzia – wobei hier die Frage erlaubt sein darf, wieso das ZDF zeitgleich mit den Staatsanwälten eingetroffen ist? Ob hier noch ein Disziplinarverfahren gegen die Behörde eingeleitet wird? Dann die Personalisierung auf Zumwinkel und dessen Sturz. Dann die Hintergründe zu der Art des Vergehens inklusive Ausweitung auf andere Prominente. Der Blick an den Ort des Vergehens, Liechtenstein und die LGT Bank. Zu beiden werden detaillierte Hintergründe geliefert. Dann die Frage, ob Zumwinkel ins Gefängnis muss und was mit anderen Prominenten in ähnlicher Lage bereits passiert ist. Ob die Post AG einen Imageschaden erleidet? Und immer wieder natürlich die Frage nach dem weichen Fall des Wirtschaftsbosses (Pension) und neben der Neid- auch die moralische Debatte.
Außerdem werden natürlich die Jäger der Promis, die Staatsanwälte, porträtiert. Zu guter Letzt versucht natürlich jeder so nah wie möglich an die Staatsanwälte heranzukommen, um als erster zu erfahren, was Zumwinkel gestanden hat und welcher Prominente noch im Fokus der Fahnder steht. Jede Weiterung wird dankend gerne angenommen.
Wichtig bei alldem ist, dass immer wieder Neuigkeiten veröffentlicht werden. Und zwar Stellungnahmen von Prominenten (Politikern, Verbandsfürsten) sowie exklusive Neuigkeiten. Das heißt, der investigative Journalismus entscheidet dabei auch wesentlich über die Dauer eines Skandals – und damit natürlich auch die Informanten, die den Journalisten bei seiner Arbeit unterstützen. Kommunikatoren sowie Informationen, die dann kommuniziert werden, sind das Salz in der Suppe, damit ein Skandal eine entsprechende Themenkarriere erfährt.
Spannende informationen sind dann etwa im vorliegenden Fall, dass die Informationen zum Fall Zumwinkel vom BND kamen (Süddeutsche Zeitung) und das die Staatsanwaltschaft für die CD-Rom mit den Informationen über die LGT-Kunden mehr als vier Millionen Euro an den Informanten zahlte, wobei das Geld aus der Kasse des Finanzministeriums kam (ZDF).
Bei all dem ist die Frage nach der Rolle der Medien erlaubt: Sie tragen wesentlich zur Skandalisierung bei – neben der echten Empörung der Bundeskanzlerin sicher ein Grund, weshalb Zumwinkel zurücktreten musste. Die Bild widmete dem Fall am Freitag wie auch am Samstag die Titelseite inklusive Seite 2 und 3. So etwas kommt äußerst selten vor. Aber auch der Fiskus hat ein interesse an einer dramatischen Berichterstattung, weil so andere Steuersünder zur Selbstanzeige getrieben werden. Wohl auch deshalb kommt es zu einer merkwürdigen Ko-Pressearbeit zwischen Judikative und Exekutive in unserem Rechtsstaat.
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