Telekom bespitzelte Journalisten

Die Aufregung war groß am Wochenende, als bekannt wurde, dass die Führungsspitze der Deutschen Telekom in den Jahren 2004 und 2005 Aufsichtsräte, Manager und Journalisten bespitzelt hat.
Die Führung wollte ein Leck im Konzern finden, durch das immer wieder Pläne an die Öffentlichkeit gelangt waren. Müssen sich Journalisten über dieses Interess und die Umsetzung aufregen?
Ja, auf jeden Fall. Denn die Telekom hat Verbindungsdaten von Telefongesprächen durchstöbert, die nach dem Fernmeldegeheimnis sakrosant sind – erst recht für den Oberverwalter und Sammler dieser Daten, der Telekom.
Das ist die eine Seite. Die andere sollte zur Reflexion in der Medienbranche führen. Denn die Konzernspitze wollte herausfinden, wer wichtige Informationen aus vertraulichen Sitzungen der Topgremien an der Presse spielte: die Mittelfristplanung ebenso wie die Pläne für das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL und auch die Pläne für die Streichung von 32.000 Stellen.
Warum bekamen Journalisten diese Informationen? Weil es im Unternehmen Spitzenpersonal gab, dass gegen diese Pläne war und sie deshalb lancierte. Medien wurden also instrumentalisiert, um Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern zu nehmen. Wurden Dinge öffentlich, entstand sofort öffentlicher Druck auf die Konzernspitze, gerne über protestierende Politiker, vornehmlich Sozialdemokraten.
Ist das die Aufgabe des Journalisten? Es ist ein kritischer Punkt, über den nachgedacht werden kann. Unzweifelhaft ist, dass die Telekom mit Ihrer Bespitzelung zu weit gegangen sit. Üblich sind eher Spiele, dass etwa der Vorstand einen fingierten Plan an einen Topmanager spielt und schaut, ob es dann in der Presse erscheint. Das sind die üblichen Mechanismen, um Löcher im eigenen Haus zu finden.
Journalisten jedenfalls müssen immer wieder hinterfragen, weshalb sie von einer bestimmten Person bestimmte Informaitonen erhalten, wollen sie sich nicht zum Büttel irgendwie gearteter Interessen machen.

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