Unter Drei: Beck im Pech

Es gibt Dinge, die sagt man öffentlich nicht. Dazu gibt es im Zusammenspiel zwischen Politik und Medien Sprachregelungen. “Unter Drei” etwa, was so viel besagt wie: Das, was ich jetzt sage, schreiben sie bitte nicht. Im Umgang der SPD mit der Linkspartei sit das jetzt kräftig misslungen. Die SZ erklärt noch einmal, wie es dazu kam, dass Beck sagte, dass sich die SPD-Hessen-Frontfrau Ypsilanti von der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen werde und deshalb wohl die SPD in Hamburg etliche Stimmen am Sonntag verlieren wird.

Über den ominösen kleinen Kreis, der am Montag in Hamburg nach einer SPD-Wahlkampfveranstaltung zusammensaß und aß, ist in den vergangenen Tagen viel und viel Widersprüchliches geschrieben worden. Die, die daran teilgenommen haben, hatten sich vorher verständigt, nicht darüber zu berichten, jedenfalls nicht darüber, was an dem Tisch gesagt wurde.

Wahr ist, dass sich der SPD-Parteivorsitzende in dem prächtig gestalteten Séparée an einem großen Tisch im Schein eines etwas kleineren Lüsters zum Umgang der hessischen SPD mit der Linkspartei äußerte. Unwahr sind hingegen Spekulationen, Beck habe bei dem Treffen Schnaps und Wein getrunken. Er fastet bis Ostern.

Unwahr sind auch Spekulationen, die hessische SPD-Landesparteivorsitzende Andrea Ypsilanti habe an dem Essen teilgenommen. Sie war zwar in Hamburg, saß aber nicht mit am Tisch.

Beck führte zwischen Vorspeise und Hauptgericht eine Art Tischgespräch, das nicht alle Teilnehmer des Essens verfolgen konnten – so,viel darf man sagen, um den zahlreichen Gerüchten Einhalt zu gebieten. Was Beck allerdings wörtlich sagte, kann nicht rekonstruiert werden.

Der Sinn seiner Worte aber ist klar: Er habe Verständnis dafür, wenn sich Ypsilanti am 5. März als Ministerpräsidentin zur Wahl stelle und sich mit den Stimmen der Linkspartei zur Nachfolgerin von Roland Koch wählen lasse, unter der Voraussetzung, dass die FDP nicht vorher einer Ampelkoalition zustimme.

Ein Verbleib Kochs im Amt sei der hessischen SPD nicht zuzumuten. Die, die Becks Worte hörten, erkannten schnell, dass es sich bei den Äußerungen um eine Art Strategiewechsel handelte.

Und da kommt eine wichtige Frage auf: Wie weit darf sich ein Journalist an die “”-Regel halten, wenn der Gesprächspartner so zentrale Dinge von sich gibt, die politische von höchster Brisanz sind? Die meisten Kollegen scheinen sich dafür entschieden zu haben, die Regel außer Kraft zu setzen und zu berichten. Der Hamburg-Wähler ist für die Aufklärung dankbar.

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